1. Spezifische Stadtmodelle:

 

    1) Die orientalische Stadt

 

Bauliche Merkmale der orientalischen Stadt:

    • Moschee im Mittelpunkt der Stadt
    • Sûk, Bazar als wirtschaftliches Zentrum
    • Zahlreiche Wohnquartiere, nach Bevölkerungsgruppen getrennt, innerhalb dieser auch lokale Sûks und Gebetshäuser, Bäder, Schulen und Backofen
    • Stadtmauer mit integriertem Ark (=Palast)
    • Meist vier Tore und zwei Hauptverbindungsachsen, die den Zugang zu den Vierteln bilden
    • Sackgassengrundriß der Viertel
    • Gebäude im Innenhofhaustyp

 

Wirtschaftliche Merkmale der orientalischen Stadt:

    • Rentenkapitalistische Ausbeutung des Hinterlandes
    • Versorgung des Hinterlandes ausschließlich vom Zentrum
    • Großstädte wirken als Distributionszentren

 

Strukturwandel in der Orientalischen Stadt

    • Ausbildung von CBDs è Bedeutungsverlust für Sûks
    • Ansiedlung von Industrie an die Randzonen der Stadt, meist außerhalb der Stadtmauern.
    • Entstehung von bipolaren Städten

 

 

    2) Die lateinamerikanische Stadt

 

Entwicklungsphasen der lateinamerikanischen Stadt:

  • 1550 - 1840: Natürliches Wachstum nach der Einwanderung von Kolonisten
  • 1840 - 1920: Erste Verstädterungsphase mit Binnenwanderung
  • 1920 - 1950: Zweite Verstädterungsphase mit Binnenwanderung und innerstädtischer Wanderung

 

Bauliche Merkmale der lateinamerikanischen Stadt:

  • Im Zentrum dominiert Plaza mit Kathedrale, Rathaus und Regierungssitz
  • An die Hauptachsen drängen sich Industriegebiete, flankiert von Massenunterkünften für Arbeiter
  • Kaum ausgeprägte City
  • Geschäftszonen sind von inzwischen legalisierten Slums umgeben.

 

Soziale Merkmale der lateinamerikanischen Stadt

  • Hoher Anteil der Bevölkerung lebt in Marginalsiedlungen
  • Siehe Mega-Städte (Kap. III. 2))

 

Wirtschaftliche Merkmale der lateinamerikanischen Stadt

  • Schwach ausgeprägte Industrie in den Städten
  • Ansiedlung an die Hauptachsen, Mischung der Industriegebiete mit Wohngebieten

 

 

 

    3) Die nordamerikanische Stadt

 

Zur Struktur der nordamerikanischen Stadt:

  • Prägung durch Privatkapitalismus
  • Kaum Steuerung durch staatliche Instanzen
  • Keine stark historische Stadtprägung
  • Im Zentrum meist ein CBD (=Central Business District)

 

Die Suburbbildung und der Innenstadtverfall:

  • Ab 1945 Bauboom in den suburbanen Gebieten
  • Wohnraumsuburbanisierung
  • Industrie- und Tertiärsuburbanisierung
  • Entstehen von Malls und Industriekomplexen
  • Verfall der Innenstadt:
    fiskalische Krise
    urban blight, Verslummung
    Ghettobildung
  • Aufschwung der Suburbs
    Starkes Wirschaftswachstum
    urban sprawl

 

Verkehr in der nordamerikanischen Stadt:

  • Extreme Pendlerverkehrssituation durch
    - Einpendler
    - Auspendler
    - Wechselpendler
    - Ex- urbane Einpendler

 

Probleme der Entwicklung:

  • Polarisierung/Segregation der Bevölkerung
  • Verfall der Innenstädte
  • Hoher Individualverkehr
  • Hoher Energieverbrauch

 

    4) Die sozialistische Stadt

 

Zur baulichen Struktur der sozialistischen Stadt:

  • Bau eines zentralen Platzes
  • Bau einer Magistrale mit repräsentativen öffentlichen Gebäuden und Wohnkomplexen
  • Multifunktionale Zentren
  • Hoher Freiflächenanteil in der Innenstadt
  • Verfall der Altbauden der Innenstädte durch Plattenbausiedlungen, gleichzeitig Verdichtung

 

Wirtschaftliche Merkmale der sozialistischen Stadt:

  • Verfügbarkeit von Boden durch sozialistische Bodenordnung geregelt
  • Im Vordergrund steht nicht der Handel, sondern die Kommunikation

 

Soziale Merkmale der sozialistischen Stadt:

  • Bildung vieler multifunktionaler Subzentren, die auch soziale Dienstleistungen übernehmen, meist aber nicht ausreichend eingerichtet sind.
  • Schaffung von Ferien- und Wochenendhausbau

 

 

 

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© 01-03-98, Dirk Wiebel