I. Allgemeine Grundlagen der Stadtgeographie

 

1. Der Stadtbegriff

In der Geschichte der Stadtgeographie wurden verschiedenste Definitionen des Begriffes "Stadt" vorgestellt. Die wohl wichtigste geographische Definition wurde von HOFMEISTER aufgestellt:

 

"Die Stadt ist ein kompakter Siedlungskörper von hoher Wohn- und Arbeitsplatzdichte, mit vor allem durch Wanderungsgewinn wachsender Bevölkerung, mit breitem Berufsfächer bei überwiegend tertiär- und sekundärwirtschaftlichen Tätigkeiten, mit deutlicher innerer Differenzierung, mit relativ hoher Verkehrswertigkeit, mit einem Bedeutungsüberschuß an Waren und Dienstleistungen für einen erweiterten Versorgungsbereich bei weitgehend künstlicher Umweltgestaltung mit deren Folgen für ihre Bevölkerung." (HOFMEISTER 1993, S.237)

 

Zusammenfassend lassen sich so folgende Kriterien für den Begriff der Stadt aufstellen:

 

Letztendlich wird der Begriff der Stadt jedoch von den Verwaltungsgremien der Region / des betreffenden Staates aufgestellt.

 

  1. Stadtentstehung

Zur Stadtentstehung wurden verschiedene Theorien entwickelt, die nach dem Grund der Entstehung einer städtischen Siedlung differenziert sind:

 

Die Stadtentstehung erfolgte in bestimmten Phasen. Hierbei wird unterscheiden zwischen:

 

Gegen Ende des Mittelalters existierten bereits 4.000 Städte in Deutschland. Seit 1450 erfolgt eine Abnahme der Städteneugründungen, die nur kurzfristig mit dem Einsetzen der Industrialisierung unterbrochen wurde.

 

 

 

 

  1. Innerstädtische Gliederung: Stadtstrukturmodelle

In der sogenannten Chikagoer Schule, einem Forschungsansatz amerikanischer Sozialökologen, wird versucht, Regelhaftigkeiten der wechselseitigen Abhängigkeit des sozialen und wirtschaftlichen Lebens in der Stadt zu erfassen und darzustellen. Die wichtigsten grundlegenden Konzepte dieses Forschungsansatzes stellen der Privatkapitalismus und der Sozialdarwinismus dar. Im Hinblick auf diese Phänomene wurden von 1925 bis 1945 drei verschiedene Stadtstrukturmodelle entwickelt:

 

 

  1. Theorie der Zentralen Orte:

Die von W. CHRISTALLER 1933 geprägte Theorie der Zentralen Orte versucht, eine hierarchische Struktur der räumlichen Ordnung der Wirtschaft sowie der Hirarchie von Siedlungen aus dem Zusammenwirken ökonomischer Bestimmungsfaktoren zu erkennen. Die Zentralität eines Ortes wird hierbei von dessen Bedeutungsüberschuß an zentralen Gütern gegenüber des Umlandes bestimmt.

Zentrale Güter sind nach CHRISTALLER:

Entscheidend für diese Theorie ist die Reichweite dieser Güter. Sie entscheidet über die zentrale Wertigkeit eines Ortes. Bei optimaler Struktur von zentralen Orten läßt sich ein gleichseitiges Hexagon im Grundriß erkennen:

 

  1. Begriffe und Erläuterungen
    a: Verstädterung:

    Unter dem Begriff der Verstädterung wird der quantitative Aspekt der Stadt erfaßt: Dieser gliedert sich wiederum im zwei Begriffe: Den Verstädterungsgrad (Verstädterungsquote), der den Anteil der Stadtbevölkerung darstellt, und die Verstädterungsrate, den Zuwachs des Anteil der Stadtbevölkerung an der Gesamtbevölkerung in einem bestimmten Zeitraum.

    Der Begriff der Urbanisierung, der oft synonym zu dem der Verstäderung verwendet wird, bedeutet hingegen die Ausbreitung städtischer Lebensformen, also den qualtitativen Aspekt.

    Der Begriff der Metropolisierung bedeutet die "Vergroßstädterung", sowohl quanitativ in Größe und Einwohnerzahl, als auch qualitativ in ihren Funktionen.

     

    b: Suburbanisierung

Unter dem Begriff der Suburbanisierung versteht man die Expansion einer Stadt in ihr Umland. Es werden drei Arten von Suburbanisierung unterschieden:

    c: Desurbanisierung / Counterurbanization

    Dieser Begriff der Entstädterung bedeutet eine extreme Verlagerung der Wachstumsdynamik einer Region in den ländlichen Raum.

     

    d: Gentrification

Diese "Reurbanisierung" der Kernstädte und die damit verbundene Aufwertung innenstadtnaher Wohngebiete, die z.B. durch Sanierungsmaßnahmen erreicht wird, kann sich aus verschiedensten Ursachen entwickeln. Zu nennen wären hier:

    e: Sukzession, Segregation, Invasion und Dominanz

Diese Begriffe fallen unter den Obertitel der "Raumrelevanten Begriffe" der Sozialökologie. Die Segregation bedeutet eine Trennung von Einwohnern in sozialer, religiöse oder ethnische Gruppen, die verschiedene Gebiete bewohnen. Die Abfolge von Gruppen auf einem Standort oder einem "Viertel" wird als Sukzession bezeichnet.

Unter die raumrelevanten Begriffe fallen unter anderem noch: Die Invasion, das Eindringen von Bevölkerungsgruppen in deinen Stadtraum; und die Dominanz einer Gruppe, die eine Kontrollfunktion im betreffenden Areal übernimmt.

 

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© 01-03-98, Dirk Wiebel